Sonderausstellung - "Andernach im Blick"
Druckgraphiken des 18. und 19. Jahrhunderts aus der Sammlung des Stadtmuseums
Die neue Sonderausstellung des Stadtmuseums, „Andernach im Blick“, zeigt ab sofort über 40 originale Druckgraphiken mit Stadtansichten vorwiegend des 18. und 19. Jahrhunderts.
In der Zeit vor der Erfindung der Fotografie dienten Druckgraphiken zur Verbreitung von Bildern. Stadt- und Landschaftsansichten gehörten dabei zu den besonders beliebten Motiven. Sie erschienen jedoch in der Regel nicht als eigenständige Kunstwerke, sondern waren meist in gebundene Landes- oder Reisebeschreibungen integriert.
Andernacher Stadtansichten wurden seit dem 17. Jahrhundert in größeren Auflagen verbreitet, insbesondere der 1646 in Matthäus Merians „Topographia Germaniae“ veröffentlichte Kupferstich machte Andernachs Silhouette europaweit bekannt. Ende des 18. Jahrhunderts, zur Zeit des beginnenden Tourismus am Rhein („Rheinromantik“), wurde Reiseliteratur mit gedruckten Darstellungen des Mittelrheingebietes ausgesprochen beliebt. Ein frühes, künstlerisch besonders wertvolles Beispiel sind die vier großformatigen Andernach-Stiche von Johann Ziegler nach Zeichnungen von Laurenz Janscha, die 1798 in Wien herausgegeben wurden.
Mit der Erfindung neuer Drucktechniken wie dem Stahlstich und der Lithographie wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Auflagen höher und die Preise niedriger. Gedruckte Rhein-Beschreibungen mit Stadtansichten (sogen. Veduten) wurden immer populärer, auch als Souvenirs für Rheinreisende. Diese kamen damals in Scharen insbesondere aus England, den Niederlanden und Deutschland an den „romantischen“ Mittelrhein. Die beschwerliche Reise war derweil durch die seit 1825 betriebene Linien-Schifffahrt auf dem Rhein erheblich erleichtert worden. Bekannte Künstler wie zum Beispiel Samuel Prout, Domenico Quaglio und William Tombleson hielten damals Andernacher Motive fest, darunter den Mariendom, den Runden Turm und die Burgruine. Der große Boom der gedruckten Rhein-Ansichten endete dann in den 1870er Jahren – die Fotografie begann sich langsam für diese Zwecke durchzusetzen. Gleichzeitig wurden vermehrt sogenannte Gebrauchsgraphiken in illustrierten Zeitschriften mit Andernacher Motiven abgedruckt, zunächst als Holzstiche, um die Jahrhundertwende dann auch schon im Rasterdruckverfahren. In eine neue Ära leiten dann die großformatigen Radierungen von Bernhard Mannfeld über, die in der Ausstellung in einem seltenen Originalrahmen aus der Zeit um 1905 betrachtet werden können.
Das Andernacher Stadtmuseum hat einen reichen Bestand von über 700 historischen Druckgraphiken aus sechs Jahrhunderten. Die neue Sonderausstellung bietet jetzt die Gelegenheit, zahlreiche der schönsten und historisch bedeutendsten Druckgraphiken mit Andernach-Ansichten aus der Zeit der „Rheinromantik“ im Original zu bestaunen. Begleitend zur Sonderausstellung ist ein Ausstellungskatalog erschienen, der im Museumsshop zum Preis von 14 € erhältlich ist. In den Sommerferien bietet das Museum außerdem eine passende Kinder-Aktion an.
Die Sonderausstellung ist noch bis zum 18. Oktober in der „Bagatelle“, Hochstr. 92, zu sehen. Die Ausstellungsräume sind barrierefrei. Öffnungszeiten: Di.-Fr.: 10:00 bis 16:00 Uhr, Sa.: 10:00 bis 13:00 Uhr, So., feiertags: 14:00 bis 17:00 Uhr. Eintritt: 2,50 €, ermäßigt 1,- €; Kinder unter 6 Jahren frei. Die Ausstellungstexte sind in deutscher und englischer Sprache.

Foto: Stadtmuseum Andernach
